Gewalt in der Beziehung

Gewalt in der Beziehung – Gehe, bevor es zu spät ist!

Es liegt in der Natur der zwischenmenschlichen Beziehungen, dass sie immer wieder Krisen unterworfen sind. Jedes Paar, das viele Jahre miteinander geteilt hat, wird Dir sagen, dass es Hürden zu meistern gab und es nicht immer leicht war. Es lohnt sich, um die Beziehung zu kämpfen, sich weiter zu entwickeln, aneinander zu wachsen und auch einmal Toleranz gegenüber den Fehlern und Schwächen des anderen zu zeigen.

Doch was ist, wenn innerhalb einer Beziehung Gewalt an der Tagesordnung ist? In dem Fall solltest Du Dich schützen und die Reißleine ziehen, bevor es zu spät ist.

Was ist Gewalt in einer Beziehung?

Gewalt ist vielfältig und kann völlig unterschiedliche Facetten haben. Bei manchen besteht die Gewalt aus körperlichen Übergriffen – angefangen bei Ohrfeigen über stärkeren Prügelattacken bis hin zu regelrechten Foltermethoden wie das Verbrennen mit Zigaretten oder das absichtliche Verbrühen der Haut.

Auch kleinere Übergriffe wie Kneifen oder Schubsen fallen in die Kategorie Gewalt, selbst wenn sie nicht übermäßig schmerzhaft sind. Gewalt ist immer ein Ausdruck von Respektlosigkeit. Der Partner wird erniedrigt, unterworfen und gedemütigt. Derjenige, der Gewalt ausübt, demonstriert Macht und Dominanz. Häufig sind dies gerade Menschen, die im Alltag, im Berufsleben keine Bestätigung finden, unter Versagensängste und Minderwertigkeitskomplexe leiden und dies durch Gewalt am abhängigen Partner kompensieren. 

Häufig sind die Übergriffe auch sexueller Natur. Während es früher allgemeine Auffassung war, dass Frauen ihren Männern grundsätzlich körperlich zu Diensten sein sollten, hat man heute eine explizitere Vorstellung von Vergewaltigung innerhalb einer Ehe. Gewalt ist Gewalt: Wer sich des Körpers des anderen bedient, tut ihm Gewalt an.

Nicht nur Frauen werden Opfer von Gewalt innerhalb einer Beziehung. Auch Männer werden von ihren Frauen misshandelt und sind ebenfalls nicht in der Lage, sich aus dieser Abhängigkeit zu befreien.

So wie es wiederkehrende Profile bei den Gewaltausübenden Partnern gibt, so gibt es auch Parallelen bei denjenigen, die es zulassen, dass ihnen Gewalt angetan wird. Sie befinden sich meist in einer seelischen Abhängigkeit, haben wenig Selbstwertgefühl, sind unsicher und ängstlich. Eine Trennung wagen viele nicht aus Angst vor der Reaktion des Partners. Häufig wiederholt sich immer das gleiche Schema: Betroffene geraten immer wieder in Gewaltbeziehungen. Oft sind die Wurzen bereits in der Kindheit zu finden, wo sie in einem gewaltgeprägten Elternhaus aufwuchsen.

Gewalt in der Beziehung: Die Kraft seelischer Gewalt

Physische Gewalt ist leichter zu identifizieren als seelische Gewalt. Gerade letztere kommt sehr häufig vor und hinterlässt ebenfalls tiefe Narben – wenn auch nicht sichtbare. Zur seelischen Gewalt gehört ständiges Kritisieren und kleinmachen, bewusstes Demütigen, Vorschriften, aber auch gezielte Schuldzuweisungen und seelische Manipulation.

Es gibt Menschen, die fügen ihrem Partner seelische Gewalt zu, indem Sie sie unter Druck setzen. Sie versuchen, ihren eigenen Willen durchzusetzen, indem Sie drohen, dem Partner die Zuneigung entziehen oder ihn vor anderen bloßstellen. Manche Partner erlangen Kontrolle über das Leben des anderen, indem er oder sie Alltagsdinge wie Ernährung, Kleidung oder auch sozialen Umgang vorschreibt.

Kurzum: Gewalt in einer Beziehung herrscht immer da, wo ein Partner über den anderen herrscht, ihn verletzt – ganz gleich ob körperlich oder seelisch – ihm seinen Willen aufzwingt und kontrolliert.

In einer Partnerschaft, die von Gewalt geprägt ist, kann niemand glücklich sein.

Gewalt in der Beziehung: Von einer Kleinigkeit zur Spirale der Gewalt

Gewalt, insbesondere körperliche Gewalt – setzt meist langsam ein. Viele berichten davon, dass der Partner anfangs besonders liebenswürdig und aufmerksam war. Oft ist dies eine Methode, die angewandt wird, um den Partner in eine gewisse Form der Abhängigkeit zu bringen. Meist zeigen sich erste Charakteristika der Gewalt, wenn die Abhängigkeit vollends geschaffen wurde, etwa durch das Zusammenziehen in eine gemeinsame Wohnung oder nach der Hochzeit.

Dann beginnt der Prozess der Gewalt schleichend. Es ist vielleicht plötzlich eine rüde Reaktion, ein unerwartetes Aufbrausen, das nicht ins Bild passt. Der Betroffene ist schockiert, glaubt aber jedoch zunächst an einen Ausrutscher. An diesem Glauben hält er sich fest, selbst wenn es zu ersten körperlichen Übergriffen kommt. Dies kann zunächst ein Schubser oder eine Ohrfeige sein. Und wieder klammert sich der so Gedemütigte an die Hoffnung, es möge nur dieses eine Mal so gewesen sein, es käme nicht wieder vor. Und hier beginnt meist schon die Spirale der Gewalt. Wenn aus leichten Übergriffen regelrechte Prügelattacken geworden sind, ist es längst zu spät und der Betroffene findet keinen Ausweg mehr aus dieser schädlichen Beziehung.

Gewalt in der Beziehung: Die Frage der Schuld

Charakteristisch für Gewalt in einer Beziehung ist die Frage der Schuld. Meist herrscht die ungesunde übereinstimmende Meinung, der Geschlagene sei selbst schuld daran. Wer dem Partner Gewalt antut, mag sich vielleicht in manchen Fällen entschuldigen und geloben, es zukünftig nicht mehr so weit kommen zu lassen. Gleichzeitig vermittelt er dem Partner jedoch auch das Gefühl, er selbst habe ihn überhaupt erst dazu getrieben.

Damit rechtfertigt der gewaltbereite Teil der Partnerschaft vor sich selbst seine Gewalttätigkeit. Der oder die Geschlagene sucht hingegen die Schuld bei sich. Das Selbstwertgefühl wird damit über einen längeren Zeitraum untergraben. Gleichzeitig klammert sich der oder die Betroffene an die Vorstellung, die Situation in irgendeiner Form kontrollieren zu können. Wenn es die eigene Schuld war, dass einem Gewalt angetan wurde, hat man schließlich auch die Möglichkeit, diese Gewalt durch angepasstes, „angemessenes“ Verhalten zu vermeiden.

Selbstverständlich ist dies eine Fehleinschätzung und führt nur dazu, dass derjenige weiter in die Gewaltspirale gerät.

Gewalt in der Beziehung: Gehen oder bleiben?

Gewalt innerhalb einer Beziehung ist niemals und unter keinen Umständen zu akzeptieren! Dennoch besteht manchmal die Möglichkeit, die Beziehung zu retten. Dies ist in erster Linie von der Haltung des Gewaltausübenden abhängig. Manchmal ist fehlende Selbstbeherrschung, Überforderung oder Hilflosigkeit Auslöser für die Übergriffe. Nicht selten leidet die gewalttätige Person selbst unter den eigenen Ausfällen. In diesem Fall kann eine Therapie tatsächlich helfen. Wichtig ist allerdings, dass der Partner sein Fehlverhalten erkennt und unbedingt bereit ist, dies zu verändern. Er muss erkennen, dass die Schuld für die auftretenden Probleme im eigenen Verhalten liegt.

Ist der Partner uneinsichtig oder kommt es wiederholt zu Übergriffen, ist eine Trennung die einzige Konsequenz, die gezogen werden muss.

Gewalt in der Beziehung: Wie den Absprung schaffen?

Es braucht Kraft, sich aus einer gewalttätigen Beziehung zu befreien. Starken Menschen gelingt dies, wenn es erst einmal Klick in ihrem Kopf gemacht hat und sie erkannt haben, dass Gewalt nichts mit Liebe zu tun hat. Da jedoch gerade die unterworfenen Menschen häufig nicht genügend Stärke und Selbstbewusstsein aufbringen, um diesen Schritt zu vollziehen, sollten sie sich unbedingt helfen lassen. Eine Therapie hilft, die Schuld nicht mehr bei sich selbst zu suchen und mehr Selbstbewusstsein zu entwickeln. Anlaufstellen wie Familienberatungen und Frauenhäuser helfen im Notfall, die Trennung durchzuziehen und ein Leben ohne Angst vor Gewalt zu führen.

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